Wie Security sich im DevSecOps-Kontext neu definiert
Die Verzahnung von Sicherheit mit Entwicklungs- und Betriebsprozessen befindet sich 2025 an einem markanten Umbruchpunkt. Mit dem Konzept „DevSecOps“ geht die Branche über das einfache Hinzufügen von Security zur klassischen DevOps-Pipeline hinaus. Es schafft die Grundlage dafür, dass Teams Sicherheitsaspekte von Beginn an berücksichtigen – integriert in jeden Schritt, nicht nachträglich und nicht als externes Element. Damit wandelt sich Security von einer parallelen Disziplin zu einem zentralen Bestandteil der täglichen Arbeit. Wie lässt sich dieses neue Verständnis im DevSecOps-Alltag konkret umsetzen? Welche Hürden ergeben sich bei der Einführung, und welche Automatisierungstechnologien setzen Unternehmen derzeit ein?
Im Gespräch: Erfahrungen aus einem DevSecOps-Team
Um aktuelle Erfahrungen zu beleuchten, habe ich Julia M. befragt, die als leitende DevSecOps-Ingenieurin bei einem internationalen SaaS-Anbieter tätig ist. Sie schildert: „Früher war Security oft nur Nachgedanke. Heute beginnen wir direkt mit Threat Modeling, stimmen Risikoeinschätzungen mit Product Ownern ab und verankern kontinuierliche Sicherheitsprüfungen schon beim ersten Commit im Prozess. Das wirkt sich spürbar auf Teamdynamik und Produktivität aus.“ In klassisch aufgebauten CI/CD-Pipelines, so Julia, blieben viele Fehler lange unentdeckt, was die Fehlerbehebung aufwändiger machte. Mit stärker integrierten Security-Checks werden Schwachstellen bereits in frühen Entwicklungsphasen erkannt – und damit sowohl Release-Zyklen verkürzt als auch die Codequalität verbessert.
Im täglichen Entwicklungsablauf zeigt sich: Schon beim Erstellen eines Pull Requests laufen Tools zur statischen Analyse wie SonarQube oder Semgrep automatisch im Hintergrund, deren Ergebnisse direkt in die Code-Reviews einfließen. Ergänzend kommen dynamische Prüfmechanismen hinzu – etwa Dynamic Application Security Testing (DAST) oder containerbasierte Schwachstellenscanner –, noch bevor Komponenten ins Staging oder in die Produktion übergehen. Hier ist Security fest mit Automatisierung verbunden und nicht mehr ein nachgelagerter Prozess.
Automatisierung von Security in modernen CI/CD-Pipelines
Die technische Umsetzung macht strategische Weichenstellungen erforderlich. Welche Scanner, Frameworks und Plattformdienste stehen 2025 im Fokus? Neben etablierten Lösungen wie Trivy für Container-Scans oder OWASP ZAP für Webanwendungen etabliert sich die Nutzung von Cloud-nativen Sicherheitsangeboten immer stärker. Julia beschreibt den Ansatz ihres Teams so: „In Multicloud-Umgebungen kombinieren wir Open-Source-Tools gezielt mit Managed Security Services der jeweiligen Provider. Gerade bei regulatorischen Vorgaben ist das entscheidend für Flexibilität und Skalierbarkeit.“
Ein Beispiel aus der Praxis: In einer GitLab CI-Pipeline sind verschiedene Security-Jobs direkt eingebettet. Nach dem Code-Checkout folgt ein Container-Scan mit Trivy, dann ein statischer Check über Semgrep sowie ein Abhängigkeits-Scan mittels OWASP Dependency-Check. Erst nachdem alle Tests bestanden wurden, wird das Artefakt innerhalb der Pipeline weitergereicht – etwa zur weiteren Integration oder zu Canary Releases. Auf diese Weise wird Security ein nahtloser Bestandteil der Software-Supply-Chain, ohne die Abläufe unnötig zu blockieren. Zu den Best Practices zählt, sicherheitsrelevante Prüfungen nach dem „fail-fast“-Prinzip zu konfigurieren, um potenzielle Risiken früh zu erkennen und kurze Feedback-Loops zu ermöglichen.
# Beispiel für GitLab CI/CD Pipeline-Abschnitt mit Security-Jobs
stages:
- test
- security
- deploy
security_sast:
stage: security
script:
- semgrep --config auto
allow_failure: false
security_dependency:
stage: security
script:
- dependency-check.sh
allow_failure: false
Automatisierung reduziert zwar manuelle Aufwände, ist aber kein Selbstläufer. Sie erfordert klar definierte Richtlinien und kontinuierliche Kontrolle. Versäumnisse beim Pflegeaufwand für Policies oder Fehlkonfigurationen können leicht zu einer Flut an Security-Alerts führen, die den CI/CD-Durchlauf erheblich verzögern.
Kulturwandel durch DevSecOps: Verantwortung und Zusammenarbeit
Technische Automatisierung geht Hand in Hand mit einer veränderten Teamkultur. Oftmals bleibt Security zu Beginn ein isolierter Aufgabenbereich der „InfoSec“-Abteilung. Fortschrittliche Organisationen setzen hingegen auf Dezentralisierung des Know-hows und gemeinschaftliche Verantwortung für Sicherheit. Julia berichtet: „Wir etablieren pro Entwicklungsteam sogenannte Security Champions und schaffen regelmäßige Formate für den Austausch. Dadurch gelingt es häufig, Risiken noch vor dem ersten Code-Commit sichtbar zu machen.“
Damit gemeinsames Sicherheitsbewusstsein entsteht, sind strukturierte Maßnahmen erforderlich. Beispiele sind Pair-Programming-Sessions mit Fokus auf Security, interne Capture-the-Flag-Events oder feste Lessons-Learned-Formate. Unternehmen, die gezielte Security-Trainings in ihre Onboarding- und Weiterbildungsprogramme integrieren, bauen nachhaltig kompetentere Teams auf. Damit rücken Vorbeugung und ständige Optimierung stärker in den Mittelpunkt als reine Compliance-Checklisten.
Typische Stolperfallen und Lessons Learned
Ein häufiger Stolperstein liegt darin, Automatisierung und Tooling zu überschätzen. Viele Teams implementieren eine Vielzahl spezialisierter Scanner, orchestrieren diese aber nicht ganzheitlich. Das resultiert in widersprüchlichen Reports oder unvollständiger Abdeckung von Schwachstellen. Julia empfiehlt daher: „Ein begrenzter, aber konsistenter Werkzeugeinsatz erzielt meist größere Wirkung. Entwickler sollten zudem aktiv in Sicherheitsprozesse eingebunden und mit eigenen Kanälen für Feedback und Nachfragen ausgestattet werden.“ Erfolgreiche Teams stellen sicher, dass Security-Reports verständlich, priorisiert und im Tagesgeschäft – etwa direkt im Git-Repository – aufbereitet sind.
Auch der Umgang mit Fehlalarmen bleibt eine ständige Aufgabe. Zu restriktive Policies können Deployments blockieren, zu großzügige Einstellungen lassen Schwachstellen passieren. Die Ausbalancierung dieser Prozesse verlangt nach regelmäßigen Überprüfungen und Anpassungen. Julia berichtet von Time-Boxes und festen DevSecOps-Review-Terminen, mit denen Teams kontinuierlich an den optimalen Einstellungen ihrer Security-Jobs arbeiten und diese auch als Teil ihrer technischen Schulden behandeln.
Konkrete Empfehlungen für den effektiven DevSecOps-Start
IT-Verantwortliche, die Security zeitgemäß in ihre CI/CD-Prozesse integrieren möchten, stehen vor mehreren taktischen Schritten. Zunächst gilt es, die eigene Software-Supply-Chain systematisch zu prüfen: Welche Systeme und Anwendungen sind besonders schützenswert? Wo bestehen reale Angriffsflächen, etwa durch externe Komponenten oder hinterlegte Secrets? Hier zahlt sich ein durchdachtes Threat Modeling aus, ergänzt um die sorgfältige Inventarisierung sämtlicher Assets. Erst im Anschluss empfiehlt sich die Auswahl von Automatisierungstools, die sich ohne Medienbrüche in bestehende Build-, Test- und Release-Prozesse einfügen.
Sinnvoll ist ein schrittweiser Start: Mit wenigen, aber wirkungsvollen Scans beginnen – zum Beispiel statische Codeanalyse, Dependency Checks und Container-Scans als Grundstock. Weitere Prüfverfahren wie dynamisches Testing oder Runtime Monitoring lassen sich bedarfsgerecht ergänzen. Entscheidungshilfe bietet eine umfassende Dokumentation sowie regelmäßige Feedbackzyklen innerhalb des Teams. Viele Organisationen kombinieren inzwischen Open-Source- und kommerzielle Lösungen, um ein ausgewogenes Verhältnis von Investition und Nutzen zu erreichen.
Fazit: DevSecOps als Fundament moderner Softwareentwicklung
DevSecOps ist bereits ein strukturprägender Bestandteil zeitgemäßer Softwareentwicklung. Durch konsequente Integration automatisierter Sicherheit und die Etablierung gemeinsamer Verantwortung über Teamgrenzen hinweg verschaffen sich Unternehmen belastbare Vorsprünge. Entscheidend bleibt, Automatisierung und Kulturwandel gleichermaßen voranzutreiben sowie die Tool-Landschaft im Sinne der Gesamtstrategie auszuwählen. Die wirkungsvollsten Sicherheitskonzepte entstehen dort, wo Business, Entwicklung und Sicherheitsexpertise gemeinsam agieren. Im Ausblick zeigt sich: Der zunehmende Einsatz von KI-basierten Analysewerkzeugen wird die Präzision in der Erkennung und Abwehr von Schwachstellen weiter erhöhen. DevSecOps entwickelt sich damit in eine hybride, hochgradig automatisierte und dennoch zutiefst kollaborative Richtung.