Interview mit CTO: Build vs Buy bei Developer Tools 2025

Interview mit CTO: Build vs Buy bei Developer Tools 2025

Strategische Entscheidungsfelder: Build vs Buy neu gedacht

Die Analyse “Build vs Buy” im Kontext von Developer Tools beschäftigt IT-Verantwortliche bereits seit Jahren. Im Jahr 2025 erfährt diese Fragestellung jedoch eine veränderte Gewichtung. Die wachsenden Anforderungen an Modernisierung, Kosteneffizienz und Innovationsgeschwindigkeit führen in zahlreichen IT-Organisationen zu einer grundlegenden Neubewertung dieses Klassiker-Themas. Hinzu kommen gestiegene Erwartungen aus den Entwicklerteams selbst. In einem Interview mit Dr. Andrea Krings, CTO eines mittelständischen SaaS-Unternehmens, zeichnen sich aktuelle Herausforderungen, Entscheidungsprozesse sowie neue Prioritäten bei Auswahl und Implementierung von Developer Tools ab. Sie vermittelt konkrete Praxiseinsichten und erklärt, weshalb die Wahl zwischen Eigenentwicklung und Zukauf in der Realität nur selten ein klares Entweder-oder ist.

Gerade rund um Developer Experience, Automatisierung und Systemintegration stehen CTOs heute vor besonders komplexen Abwägungen. Die Tool-Landschaft bleibt dynamisch, Produktportfolios sind fragmentiert und Standardisierung gestaltet sich anspruchsvoll. Während früher eigenentwickelte Lösungen vielfach als Allheilmittel galten, stehen nun Aspekte wie Time-to-Market, Sicherheit und Wartbarkeit im Vordergrund. Im Gespräch mit Dr. Krings lassen sich typische Entwicklungslinien, häufige Fallstricke sowie bewährte Methoden identifizieren, die IT-Leitungen Orientierung im Entscheidungsprozess bieten.

Warum Developer Tools den Ausschlag geben

Developer Tools bilden für viele Unternehmen inzwischen die Grundlage sowohl für Produktivität als auch für Innovation. Dr. Krings macht deutlich, dass der gezielte Einsatz solcher Lösungen auch die Wahrnehmung des Arbeitgebers bei technischen Talenten maßgeblich prägt. „Eine starke Developer Experience ist inzwischen zentral – Tools, die reibungsarme Abläufe und hochwertige Automatisierung ermöglichen, steigern deutlich unsere Wettbewerbsfähigkeit“, betont sie im Interview.
Technische Grundsatzentscheidungen im Bereich Build vs Buy greifen dabei weit über die reine Tool-Ebene hinaus: Sie wirken sich auf die Unternehmenskultur, das Onboarding neuer Kolleg:innen, die Betriebssicherheit und nicht zuletzt auf die Motivation der Entwicklerteams aus. Beispielsweise wirkt sich ein ausgereiftes CI/CD-Tooling wesentlich auf effiziente Arbeitsprozesse und die Innovationsbereitschaft im Engineering aus. Solche Entscheidungen sind damit stets auch ein Spiegelbild der technologischen und organisatorischen Haltung des Unternehmens.

Build vs Buy: Praxisszenarien in der Bewertung

Die Erfahrungen aus der Praxis von Dr. Krings machen deutlich, dass der Weg zwischen Eigenentwicklung und externem Zukauf selten eindeutig ist. Oft bieten sich hybride Lösungen oder individuell angepasste Mischformen an. Zwei von ihr beschriebene Fallbeispiele zeigen dies anschaulich:

1. Release-Automatisierung durch CI/CD: „Wir standen vor der Aufgabe, On-Premises-Deployments unserer SaaS-Lösung im regulierten Umfeld zu automatisieren. Erste Ansätze mit Open-Source-Produkten scheiterten an umfassendem Anpassungsbedarf, sicherheitsrelevanten Aspekten und dem Aufwand der kontinuierlichen Pflege. Letztlich konnten wir mit einer kommerziellen, flexibel erweiterbaren Pipeline-Lösung – vergleichbar mit GitHub Actions einschließlich Enterprise-Support – die notwendigen SLAs und Sicherheitsstandards zuverlässig abbilden. In solchen Szenarien überzeugt der Buy-Ansatz, weil zertifizierter Support und Compliance-Features entscheidend sind.“

2. Individuelle Monitoring-Architektur: „Beim Application Monitoring wurde schnell klar: Am Markt verfügbare SaaS-Lösungen deckten rund 80 Prozent unserer Anforderungen ab; hochspezifische Metriken und eine komplexe, dynamische Alerting-Logik fehlten jedoch. Hier führte die reine Buy-Lösung zu spürbaren Kompromissen in der Kompatibilität. Unsere Entscheidung fiel am Ende auf eine maßgeschneiderte Eigenentwicklung basierend auf OpenTelemetry und einer eigenen Alerting-Engine. Der initiale Mehraufwand lohnte sich durch passgenaue Abdeckung unserer Anforderungen und vollständige Weiterentwicklungshoheit.“

Kriterien für die Entscheidungsfindung: Die Sicht der CTOs

Das Gespräch spiegelt eine Vielzahl an Bewertungskriterien wider, die über die rein technische Analyse hinausgehen. Dr. Krings empfiehlt strukturierte Prozesse mit intensiver Stakeholder-Beteiligung, umfangreichen Proof-of-Concept-Phasen und einer ehrlichen Überprüfung der eigenen personellen Kompetenzen. Zu den entscheidenden Faktoren zählt die Gesamtheit der Kosten über den gesamten Lebenszyklus (Total Cost of Ownership, TCO). Häufig geraten insbesondere langfristige Wartungsaufwände, regelmäßige Security-Updates und der Integrationsaufwand in Build-Projekten aus dem Blick.

„Für jede Entscheidungsfindung rund um Developer Tools erfassen wir sowohl direkte als auch verdeckte Kosten in einer detaillierten Matrix“, berichtet Dr. Krings. Zu berücksichtigen sind unter anderem: die Zeit bis zur produktiven Nutzbarkeit, Flexibilität der Schnittstellen, Verantwortlichkeiten für Security, und Einschränkungen durch geschlossene Systeme. Themen wie Vendor-Lock-in, Compliance und die Integration in bestehende Systemlandschaften verursachen nicht selten Folgekosten, die einen zunächst attraktiven Buy-Ansatz im Nachgang relativieren können. In komplexen IT-Umfeldern gilt heute: Nur schrittweise Einführung und kontinuierliche Evaluierung schützen vor technischen Altlasten und begrenzter Skalierungsfähigkeit.

Technische Tiefe: Integration und Automatisierung als Schlüsselfaktoren

Technologieentscheidungen im Jahr 2025 stützen sich selten allein auf Funktionsvergleiche oder grafische Oberflächen. Ausschlaggebend sind vielmehr Fragen zur API-Architektur, Erweiterbarkeit, Authentifizierung und der Unterstützung moderner Infrastructure-as-Code-Ansätze.

Ein Praxisbeispiel aus Dr. Krings' Erfahrung mit einem internen Entwicklerportal macht dies greifbar: „Wir haben auf einer Open-Source-Basis aufgesetzt, individuelle Plug-ins entwickelt und kritische Security-Workflows gezielt mit kommerziellen DevSecOps-Tools realisiert.“ Im folgenden Codebeispiel zeigt sich, wie eng interne Dienste im Build-Betrieb verzahnt werden:

const createInternalPlugin = ({ httpClient }) => {  
  return async function syncUserProjects(userId) {  
    const projects = await httpClient.get(`/internal/projects/${userId}`);  
    // Interne Daten anreichern und Events auslösen  
    publishCustomEvent('projects_synced', { userId, projects });  
    return projects;  
  };  
};

Solche Projekte belegen, dass im Entscheidungsfeld Build vs Buy die Integrationstiefe, Anpassungsfähigkeit und Automatisierung zunehmend ins Zentrum rücken. Bewährte Architekturansätze – etwa API-first, moderne Authentifizierung (OIDC/OAuth2) oder Infrastrukturautomatisierung via Terraform und Pulumi – sind aus gut aufgestellten Tech-Teams mittlerweile nicht mehr wegzudenken.

Wirtschaftliche und kulturelle Implikationen

Ökonomische Überlegungen gehen oftmals Hand in Hand mit kulturellen und strukturellen Veränderungen im Unternehmen. Häufig führen Interviews mit CTOs zu überraschenden Einblicken: So berichtet Dr. Krings, dass Eigenentwicklungen eine starke Identifikation im Entwicklerteam fördern und für einen breiten Wissenstransfer sorgen. Gleichzeitig steigt jedoch das Risiko, Ressourcen in aufwendige Non-Core-Projekte zu investieren – ein häufig unterschätztes Problem, das sich in Form von Überlastung und eingeschränkter Marktpräsenz bemerkbar machen kann.

Demgegenüber schaffen kommerzielle Tools klare Verantwortlichkeiten und ermöglichen SLA-gebundene Zusammenarbeit mit Herstellern, wobei die Innovationsdynamik im Team nicht immer gleichermaßen adressiert wird. Vor allem für Berufseinsteiger oder jüngere Entwickler bleibt ein anpassbares, transparentes Tool-Ökosystem oft attraktiver als proprietäre Komplettlösungen. CTOs nehmen dabei zunehmend die Rolle von Vermittlern ein, die zwischen traditionellen IT-Strukturen, agilen Teams und externen Partnern Brücken bauen. Wesentlich sind Formate wie Mentoring, gezielte Tech-Talks und peerbasierte Review-Prozesse, um die Qualität der Entscheidungen zu sichern.

Best Practices und konkrete Empfehlungen aus der CTO-Praxis

Die Erfahrungen von Dr. Krings liefern handfeste Empfehlungen für CTOs im Jahr 2025. Tools sollten auf flexible Schnittstellen und modularen Ausbau ausgerichtet sein, da Anforderungen sich schnell ändern können. Von zentraler Bedeutung sind strukturierte Proof-of-Concepts, die sämtliche Phasen des Entwicklungs- und Betriebsprozesses abdecken: von lokalen Entwicklungsumgebungen über das Release-Management bis hin zu Monitoring, Sicherheit und Compliance.

Noch vor der Einführung eines neuen Tools lohnt sich die Entwicklung sogenannter Exit-Strategien, um etwaige Wechsel oder Migrationen ohne größeren Reibungsverlust zu ermöglichen. Insbesondere für Cloud-native Lösungen wird die Notwendigkeit lockerer Kopplungen und API-getriebener Datenexporte immer offensichtlicher. Gerade in mittelständischen IT-Organisationen ist dabei die enge Abstimmung mit Personal- und Managementabteilungen unverzichtbar, denn Kompetenzen in Produktintegration, API-Design oder Multi-Cloud-Architekturen werden als essenziell für nachhaltige Softwarebereitstellung bewertet.

Fazit und Ausblick: Die Zukunft der Tool-Entscheidungen

Das Interview mit Dr. Krings bestätigt, dass die Frage Build vs Buy längst zu einem strategischen Steuerungsinstrument geworden ist. Organisationsspezifische Zielsetzungen, technologische Entwicklungen, Teamdynamik und wirtschaftliche Kennzahlen lassen sich dabei nicht isoliert betrachten, sondern verlangen nach lösungsorientierten Bewertungsmodellen. „Unsere Aufgabe ist es heute, situativ und mit Blick auf Veränderungsbereitschaft und nachhaltigen Entwicklungspfad zu entscheiden“, fasst Dr. Krings zusammen.

Im Jahr 2025 zeigt sich: CTOs, die regelmäßig neu evaluieren, offen für technologische und kulturelle Veränderungen bleiben und Entscheidungen gemeinsam mit ihren Teams treffen, sichern sich langfristig höhere Wettbewerbsfähigkeit. Die Build vs Buy-Diskussion bleibt ein fortlaufender Lernprozess, der von aktivem Knowledge Sharing und strukturiertem Austausch – wie in diesem CTO-Interview – eindeutig profitiert.